|
05.02.2007 | Sabine Kurtz im
Berufsschulzentrum Leonberg
Berufsschule wichtiges Scharnier zwischen Wirtschaft, Berufsausbildung und allgemeinbildenden Schulen
Die Reihe ihrer Schulbesuche im Wahlkreis zwischen Leonberg und Herrenberg hat Sabine Kurtz jetzt mit einem Vormittag im Beruflichen Schulzentrum Leonberg fortgesetzt. Auf dem Programm standen ein Informationsgespräch mit dem Schulleiter, eine Fragestunde mit zwei Schulklassen sowie eine Diskussionsrunde mit Fachabteilungsleitern, Vertretern des Personalrats und dem Sozialarbeiter an der Schule.
Breites Ausbildungsangebot
Oberstudiendirektor Werner Diebold erläuterte Sabine Kurtz die wichtige Scharnierfunktion, die die Beruflichen Schulen zwischen der Bildungslandschaft und der Wirtschaft einnehmen. An der Schule im Fockentalweg nutzen 3000 Schülerinnen und Schüler die große Vielfalt an Möglichkeiten der beruflichen und allgemeinbildenden Qualifikation: Neben Berufsabschlüssen, berufsbezogenen Zusatz- und Weiterbildungsqualifikationen können auch sämtliche allgemeinbildenden Abschlüsse erworben werden, vom Hauptschulabschluss über die mittlere Reife und Fachhochschulreife bis hin zum Abitur. In der Tatsache, dass ca. 30 Prozent der Abiturientinnen und Abiturienten in Baden-Württemberg von beruflichen Gymnasien kommen, sieht Sabine Kurtz den Beweis für das Prinzip „Kein Abschluss ohne Anschluss“ des dreigliedrigen Schulsystems. Das Kernstück der beruflichen Schulen ist jedoch weiterhin die Berufsschule als Partner im dualen System der Berufsausbildung. „Ein System, um das uns andere Länder beneiden“, weiß die stellvertretende Vorsitzende des Schulausschusses im Landtag.
Leistung gefordert
Auf Besonderheiten im Schulalltag von Auszubildenden wurde die jugendpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion von den Einzelhandelskaufleuten und den Berufsfachschülern für Büro und Handel aufmerksam gemacht. „Die veränderten Ladenöffnungszeiten machen uns ganz schön zu schaffen“ erklärte eine Schülerin. Einerseits finden es die jungen Leute hart, sich auf Klassenarbeiten vorzubereiten, wenn sie am Tag zuvor bis abends im Laden stehen müssen. Andererseits fällt ihnen die Umstellung zwischen Schultagen und Arbeitstagen schwer: „An dem einen Tag muss ich morgens um sechs Uhr aufstehen, am anderen öffnet das Geschäft erst um zehn Uhr“. Vieles spricht nach Ansicht der jungen Leute für Blockunterricht, der ihnen jeweils für einige Wochen gleichmäßige Tagesabläufe ermöglichen würde. Sabine Kurtz verweist dafür auf die Abstimmung mit den Kammern: „Die Belange der Betriebe müssen wir auch berücksichtigen“. Außerdem schreibt sie den Auszubildenden ins Stammbuch, dass es ihrer Ansicht nach nicht zu viel verlangt sei, sich auch am Wochenende zum Lernen an den Schreibtisch zu setzen.
Sozialarbeit wichtige Ergänzung im Schulalltag
Dass der Landkreis Böblingen als Träger des Berufsschulzentrums viel Verständnis für die Belange der Schule hat, zeigt sich daran, dass er für das Berufschulzentrum Leonberg eine Sozialarbeiterstelle finanziert. Rund zehn Einzelgespräche führt Thomas Seibt jede Woche, um Schülerinnen und Schüler in ihren privaten Problemen und bei Fragen der weiteren schulischen und beruflichen Entwicklung zu beraten. „Die Zusammenarbeit mit den anderen Sozialen Diensten des Landratsamts sowie der Agentur für Arbeit funktioniert hervorragend“, so Seibt. Gerade durch die Kooperationsklassen, in denen schwächere Hauptschüler frühzeitig zusammengefasst und mit der Berufsschule vertraut gemacht werden, hat er ein großes Klientel zu betreuen.
Berufseinstiegsjahr in Vorbereitung
Um den Übergang zwischen Schule und Beruf noch besser zu gestalten, soll ab dem kommenden Schuljahr am Leonberger Berufsschulzentrum für Jugendliche mit Hauptschulabschluss das Berufseinstiegsjahr (BEJ) angeboten werden. Bisher besuchten sie, wenn sie noch schulpflichtig aber ohne Lehrstelle waren, gemeinsam mit Schülern ohne Hauptschulabschluss das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ). „Es war nicht richtig, dass die Hauptschüler sich darauf verlassen konnten, im BVJ im zweiten Anlauf ihren Hauptschulabschluss verbessern zu können“, begrüßt Werner Diebold die Neuerung. Im Berufseinstiegsjahr sollen Jugendliche mit Hauptschulabschluss künftig zielgerichtet für ein Berufsfeld ihrer Wahl vorbereitet werden. Dabei werden auch schon Inhalte des ersten Ausbildungsjahrs vermittelt. Außerdem sind wöchentliche Praxistage vorgesehen. „Eine große Schule wie wir wird keine Schwierigkeiten haben, mehrere Klassen des BEJ mit verschiedenen Fachrichtungen anzubieten“, erklärt der Schulleiter.
Fehlende Bewerber für Lehrerstellen
Im Mangel an Berufsschullehrern sieht Werner Diebold jedoch ein großes Problem: „Unsere Schülerzahlen werden erst in fünf bis sechs Jahren spürbar zurück gehen. Bis dahin brauchen wir dringend qualifizierte Lehrer, besonders in den Natur- und Ingenieurswissenschaften“. Er machte deutlich, wie wichtig die Kombination von pädagogischer und fachlicher Qualifikation gerade an der Berufsschule sei. Fachleute aus der Wirtschaft abzuwerben klinge einfacher, als es in der Praxis sei: „Oftmals sind die Leute zu stark spezialisiert und haben wenig Erfahrung im Umgang mit jungen Menschen“.
|