|
15.02.2007 | CDU-Abgeordnete
sprach beim ökum. Friedensgebet
Kurtz plädiert für interreligiösen Dialog und „Europäisierung
des Islam“
Für einen verstärkten interreligiösen Dialog
zwischen Christen und Muslimen hat sich kürzlich beim ökumenischen
Friedensgebet in Malmsheim die Leonberger CDU-Landtagsabgeordnete
Sabine Kurtz ausgesprochen. Sie machte jedoch unmissverständlich
klar, dass sie hinsichtlich des gewachsenen europäischen
Wertekanons jegliche Form von Beliebigkeit ablehne.
Die CDU-Politikerin sagte, Religion habe auch die Aufgabe,
Werte zu vermitteln. „Wir brauchen Werte, Normen, Bestimmungen,
die unsere Gesellschaft zusammenhalten. Die an die nächste
Generation weitergegeben werden können. Unser staatliches
System funktioniert nur auf der Grundlage von Werten, die anerkannter
Maßen vom Staat selbst nicht hervorgebracht werden. Die
Gesellschaft muss sie hervorbringen, pflegen, tradieren. Wir
sollten deshalb alle Menschen begrüßen, alle Religionen
akzeptieren, die unseren gewachsenen Wertekanon, unsere kulturelle
Identität stützen und ein Gerüst bieten für
unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft“, betonte
Sabine Kurtz.
Die Leonberger CDU-Landtagsabgeordnete wies darauf hin, dass
in Baden-Württemberg mittlerweile auch 600.000 Muslime
lebten. Nur die Hälfte von ihnen seien Türken. Der
Anteil der Deutschen unter den Muslimen liege bereits bei einem
Drittel und nehme weiter zu: Durch Einbürgerung und Geburt.
Für das Jahr 2015 sei mit einem muslimischen Bevölkerungsanteil
von sieben Prozent in Baden-Württemberg zu rechnen.
„
Wir müssen diese Menschen einbinden, wir müssen uns
auf sie zu bewegen, und sie wiederum müssen sich uns angleichen“,
forderte Sabine Kurtz. Ein erster Ansatz sei der Islamunterricht
in Grundschulen. Im Lande gebe es derzeit zwölf Modellprojekte
für Islamunterricht in deutscher Sprache. Kurtz unterstrich
in diesem Zusammenhang: „Wir wollen wissen, was da gelehrt
wird.“ Dies müsse deshalb unter staatlicher Aufsicht
geschehen. Ziel sei es, den Islamunterricht aus dem zuweilen
vorhandenen „Hinterhofmilieu“ herauszuholen. „Wir
brauchen, um mit Bassam Tibi zu sprechen, eine Europäisierung
des Islam“. Dabei gehe es nicht nur um die Gleichheit
von Mann und Frau – eine Vorgabe unseres Grundgesetzes
und damit Kristallisationspunkt für viele andere Werte. „Vielmehr
geht es grundsätzlich darum, dass wir unsere gewachsenen
und bewährten Wertvorstellungen nicht preisgeben dürfen.“ Nach
Ansicht der CDU-Abgeordneten zählen dazu die Freiheit
des Individuums („die bedingungslose Unterordnung des
Einzelnen in ein Kollektiv können wir nicht akzeptieren“),
das Recht auf Kritik auch an Autoritäten, Verantwortung
statt Gehorsamspflicht sowie ein konsequentes Eintreten für
unsere Rechtsnormen („Rache und Steinigungen sind für
uns indiskutabel“). Kurtz sieht des weiteren keinen Gegensatz
zwischen Vernunft und Religion und bemängelte in Malmsheim,
dass der heute vorherrschende Islam keinen kritischen Realismus
erlaube. Ihr Fazit: „Es gibt noch viel zu tun für
einen interreligiösen Dialog. Von einer Ökumene zwischen
Christentum und dem Islam sind wir noch weit entfernt!“ Dennoch
ist für die CDU-Politikerin klar: „Wir müssen
unbedingt in diese Richtung gehen.“ Erste Ansätze
hierzu seien durchaus vorhanden.
Mit Blick auf die geschichtliche Entwicklung des Christentums
erklärte Sabine Kurtz: „Im Namen des Christentums
ist in der Vergangenheit Furchtbares, ja Unmenschliches geschehen.“ Heute
jedoch hätten wir ein aufgeklärtes und ökumenisch
orientiertes Christentum. „Ich habe die Hoffnung auf
eine ähnliche Entwicklung im Islam.“ Dies werde
auch ein Beitrag zum Frieden in der Welt sein. Abschließend
rief Sabine Kurtz die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ökumenischen
Friedensgebetes - darunter auch zahlreiche muslimische Gläubige
- dazu auf, „diese Tür aufzustoßen und dieses
Tor offen zu halten.“

Sabine Kurtz bei ihrer Ansprache in der Malmsheimer Kirche.
|