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23.02.2007 | Leonberger Senioren-Union feiert 10Jähriges
Sauer: Wir sind
eine politisch prägende Kraft
Text: Anita Högner; Fotos: Archiv
Wer erinnert sich noch? 1997
gab Großbritannien Hongkong an die
Volksrepublik China zurück, fand in Kyoto eine internationale Klimakonferenz
(„Kyoto-Protokoll“) statt, kam Lady Di bei einem Autounfall
ums Leben. Noch ein Ereignis im gleichen Jahr, das zwar nicht
im Scheinwerferlicht der Medien stand, doch von großer lokaler
Bedeutung war: Klaus-Walter Voss hob in Leonberg die Senioren
Union (SU) aus der Taufe. Am Dienstag, 17. April 2007, feiert sie ihr
zehnjähriges
Bestehen. Die Festansprache hält Prof. Dr. Wolfgang von Stetten,
MdB a. D. und Vorsitzender der Senioren Union Baden-Württemberg.
Wie kam es zur Gründung? Die Antwort
ist ebenso einfach wie einleuchtend. Als langjähriges Mitglied der SU in
Stuttgart reifte bei dem heute 80-Jährigen der Gedanke,
eine solche Einrichtung auch in der ehemaligen Kreisstadt zu
etablieren. Gedacht, getan. In Kooperation mit der Kreisgeschäftsstelle
Böblingen wurden alle über 60-jährigen CDU-Mitglieder
aus Leonberg und Umgebung zu einer „Schnupperveranstaltung“ am
14. Januar eingeladen. Der darin eingebettete Vortrag befasste
sich - kaum zu glauben, aber wahr - mit dem Gesundheitswesen.
Er lockte 35 Interessierte an - sichtbarer Beweis, dass die
Initiatoren auf dem richtigen Weg waren. Der nächste Schritt
war die konstituierende Gründungsversammlung am 8. April
1997 mit Sozialministerin a.D. Annemarie Griesinger als Wahlleiterin.
Josef W. Sauer wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt,
Joseph Westermayr sein Stellvertreter.
Innerhalb weniger Jahre stieg die Mitgliederzahl auf
75. Auch die Zahl der
Interessenten, die auf Grund von Pressemitteilungen die an jedem dritten Dienstag
im Stadthallenrestaurant „Ambiente“ stattfindenden Veranstaltungen
besuchen, hat sich auf ähnlicher Höhe eingependelt. Nicht ohne Stolz
weist Sauer hin, dass „wir stets gut besuchte Veranstaltungen hatten.
Selbst in der Ferienzeit konnten wir mit 25 bis 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern
rechnen. Das sind hochgerechnet weit über 3.000 Besucher innerhalb eines
Jahrzehnts“.
Der Erfolg ist weder Zufall noch Fügung. „Uns ist es immer gelungen“,
freut sich der Vorsitzende, „zu aktuellen Themen kompetente Referenten
nach Leonberg zu locken“. Auf der langen Rednerliste stehen neben Umweltminister
a. D. Erwin Vetter, MdL und Minister des Staatsministeriums Willi Stächele,
Bundesministerin a. D. Prof .Dr. Ursula Lehr, MdB Clemens Binninger, MdL Wolfgang
Rückert sowie das MdB a. D. und die ehemalige Landesvorsitzende der SU
Baden-Württemberg, Erika Reinhardt. Professoren der Uni Stuttgart gaben
sich in Leonberg ebenso ein Stelldichein wie Experten aus dem Versicherungs-
und Steuerwesen.
Neben guten Kontakten zu „Promis“ bedarf es aber
auch eines sensiblen „Navigationsgeräts“,
das die Wünsche und Interessen der Seniorinnen und Senioren in allen Bereichen
des gesellschaftlichen und politischen Lebens aufspürt. Nur so ist Kontinuität
möglich. Besuche im Stuttgarter Landtag und Studienreisen nach Berlin
und Straßburg vermittelten vertiefende Kenntnisse „vor Ort“.
Ausflüge sowie besinnliche Jahresrückblickveranstaltungen geben ein
Gefühl der Zusammengehörigkeit. „Hier gehöre ich hin“.
Dieter Stonies zum Beispiel, den es nach über 30-jähriger Zugehörigkeit
zur Berliner CDU nach Leonberg verschlug, „wollte einfach nur mal gucken
und reinschnuppern“. Der „Reingeschmeckte“ fühlte sich
von der Atmosphäre angesprochen – und blieb. Seine SU-Erfahrung
bringt er auf die knappe Formel: „Das Zusammensein mit Menschen unterschiedlichen
Alters und verschiedener Prägung hält jung“. Auch Elke Meller
hat bei der SU ein Stück Heimat gefunden. „Ich möchte den intensiven
Gedankenaustausch mit Gleichgesinnten nicht missen“. Für Karl May
ist es wichtig, die Meinung anderer in die eigene Urteilsfindung einzubeziehen.
Der intensive Gedankenaustausch hilft ihm, seine Argumente zu schärfen
und ideologisch besetzte Hypothesen kritisch zu hinterfragen. Diesem Denkansatz
kommt so große Bedeutung zu, weil uns das Fernsehen ständig mit
wirkungsvoll inszenierten Meldungen im 30-Sekunden-Takt füttert und mit
knappen Fakten mehr für Verwirrung als Aufhellung sorgt. Hans-Joachim
Daeneke hat schätzen gelernt, dass er bei der SU sachliche Hintergrundinformationen
zu schwierigen Entscheidungsprozessen bekommt. Nicht selten bilden sie die
Grundlage für kontroverse, aber faire und disziplinierte Diskussionen.
In diesem Zusammenhang erinnert Daeneke an den Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang
Weidlich, der die heiß umstrittene Kernenergie zum Inhalt hatte.
Die Mitglieder und Interessenten werten die Leonberger SU
als eine persönliche
Bereicherung, die sich mit einem gestärkten Wir-Gefühl, gewachsenem
Selbstbewusstsein und hinzugewonnener Kompetenz umschreiben lässt. Die
SU wiederum profitiert von der gewandelten Lebenseinstellung der älteren
Generation, die nicht mehr die Hände ideen-, mut- und tatenlos in den
Schoß legt. Die heutigen Seniorinnen und Senioren stehen mitten im Leben
und wollen ihre Lebenserfahrung und erworbenen Sachkenntnisse sowie ihr Verantwortungsbewusstsein
in die Waagschale werfen.
Unter diesen Vorzeichen wird die Leonberger SU auch in Zukunft ein
breitgefächertes
bildungspolitischen Programms bieten. Es soll in einer Zeit der ständigen
Neu- und Umorientierung Fakten liefern, längerfristige Entwicklungen in
unserer Gesellschaft beobachten und begleiten und dabei eine wichtige Rolle
in der Meinungsbildung übernehmen. Aus Sicht des Vorsitzenden ist die
SU „heute eine politisch prägende Kraft in Leonberg“.

Wolfgang Heubach und Josef W.
Sauer, Oktober 2006, Foto: H.J. Daeneke

Jahresausflug nach Bad Wimpfen 2003

Besuch der Villa Reitzenstein, 1999

Wahlveranstaltung der SU Leo mit MdB Clemens
Binninger, 2002

Studienfahrt nach Straßburg 1998
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