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24.02.2007 | Clemens Binninger über
seine Gespräche in Tel Aviv und Jerusalem
Clemens Binninger zu
Gast in Israel Nachdem
mich der israelische Botschafter in Deutschland, Shimon Stein,
bereits
mehrfach eingeladen hatte, war es am 06. Februar 2007
endlich soweit, ich besuchte für vier Tage das Land Israel. Anders als übliche
Auslandsreisen war es keine Delegationsreise, bei der Vertre-ter
aller Fraktionen mit dabei sind, sondern eine Einzelreise.
Dies ermöglichte mir genau die Termine zusammenzustellen,
die für meine politische Arbeit von besonderer Bedeutung
sind, also in erster Linie der sicherheitspolitische Bereich.
Aber der Reihe nach:
Nach zweimaligem Sicherheitscheck am Frankfurter Flughafen,
einem Flug von ca. 3 Stunden und dem Abbruch des ersten Landeanfluges
(da Reifenteile auf der Landebahn lagen), landeten wir dann
sicher auf israelischem Boden. Der erste Eindruck, für
mich durchaus überraschend, weite Teile des Landes sind
grün. Das Ergebnis jahrelanger, gezielter und großflächiger
Aufforstung, gekoppelt mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem.
Am Flughafen erwartete mich bereits der deutsche Botschafter
Dr. Kindermann und begleitete mich zu meinem ersten Termin
in das Außenministerium nach Jerusalem. Alle Ministerien
haben dort ihren Sitz, mit Ausnahme des Verteidigungsministeriums,
welches sich in Tel Aviv befindet. Bei den Gesprächen
dort ging es vor allen Dingen um die Konflikte, welche Israel
derzeit am meisten beschäftigen: die Lage in den palästinensischen
Gebieten, der Konflikt mit der Hisbollah im Libanon und die
Bedrohung durch den Iran, sollte dieser in den Besitz der
Atombombe gelangen. Deutlich wurde dabei, dass die israelische
Seite den Atomkonflikt mit dem Iran als größte
Bedrohung empfindet.
Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Forschung und Wissenschaft,
denn auf dem Pro-gramm stand ein Besuch des Weizmann Instituts.
Das Weizmann Institut ist eines der weltweit führenden
multidisziplinären Forschungsinstitute in Naturwissenschaft
und Technik. Auf einem landschaftlich schön gestalteten
Campus beschäftigen sich ca. 2500 Wissenschaftler, Techniker
und Forschungsstudenten mit Themen wie der Bekämpfung
von Krebs, der Weiterentwicklung der Solartechnik oder der
Wassergewinnung für die Wüste. Gründer des
Instituts war der berühmte Chemiker Dr. Chaim Weizmann,
später der erste Staatspräsident von Israel. Neben
Gesprächen mit verschiedenen Professoren hatte ich auch
die Gelegenheit mit einem deutschen Krebsforscher und einem
deutschen Mathematikstudenten zusammen zu treffen. Beide
machten mir deutlich, dass sie hier einfach bessere Bedingungen
für ihre Arbeit vorfinden, sei es durch weniger Bürokratie
bei der Krebsforschung oder durch leichteres spartenübergreifendes
Studieren.
Interessant war für mich an diesem Tag aber auch einiges über
das israelische Bildungssystem zu erfahren. Denn obwohl israelische
Wissenschaftler Weltruf genießen, das Land eine hohe
Nobelpreisträgerdichte hat und insgesamt ein überdurchschnittliches
Bildungsniveau herrscht, sind die Rahmenbedingungen alles
andere als ideal.
Einige Beispiele: Israel hat ein Gesamtschulsystem, bei dem
möglichst viele Schüler zum Abitur gebracht werden
sollen. Das Gesamtschulsystem führt aber dazu, dass
v.a. Dingen in den letzten drei Jahren die Anforderungen
sehr hoch geschraubt werden. Die durchschnittliche Klassengröße
beträgt 40! Schüler und das Einstiegsgehalt eines
Lehrers gerade einmal 600 Euro (weshalb auch Lehrermangel
herrscht). Andererseits zeigen diese Beispiele aber auch,
dass wir uns in Deutschland beim Thema Bildung manchmal zu
sehr auf die Rahmenbedingungen konzentrieren, anstatt auf
die Qualität und die Inhalte von Bildung.
Sicherheitspolitische Themen standen dann im Mittelpunkt
beim Inlandsgeheimdienst, dem Verteidigungsministerium, einem
staatseigenen Rüstungsbetrieb sowie der Polizeiführung
des Landes. Dabei wurde in allen Gesprächen deutlich,
dass die von Israel errichtete Grenzanlage zu den palästinensischen
Gebieten ein entscheidender Schritt war, um Selbstmordanschläge
im Land zu verhindern. Waren es vor der Errichtung der Grenzanlage
noch Anschläge und Anschlagsversuche im dreistelligen
Bereich pro Jahr, konnte diese Zahl jetzt auf weniger als
zehn pro Jahr reduziert werden. Daneben sind die israelischen
Sicherheitsbehörden vor allem daran interessiert Sicherheitstechnik
zu entwickeln, mit denen Anschläge verhindert werden
können. Sei es ausgefeilte Videotechnik, mit denen Attentäter
rechtzeitig erkannt werden sollen oder Abwehrsysteme für
Hubschrauber um deren Abschuss zu verhindern.
Das Land, seine Sicherheitsbehörden aber auch seine
Bevölkerung haben gelernt mit Bedrohungen zu leben.
Ihr Umgang damit ist aber nicht hysterisch sondern pragmatisch.
Dies zeigt sich in vielerlei Hinsicht:
Neben 28.000 Polizisten verfügt die israelische Polizei
noch über 70.000 Freiwillige, die einmal pro Woche
Dienst machen (in Uniform und Waffe). Soldaten müssen
auch in ihrer Frei-zeit ihr Gewehr mitführen. Sicherheitskontrollen
vor Cafes und Hotels sind selbstverständlich.
Und trotz allem haben sich die Menschen einen Lebensstil
bewahrt, der offen und gastfreundlich ist.
Der Alltag in Israel zeigt übrigens auch, dass ein friedliches
Zusammenleben zwischen jüdi-schen und arabischen Mitbürgern
durchaus Normalität ist. Etwa 10% der israelischen Bevölkerung
sind arabischer Abstammung, so genannte israelische Araber.
Neuerdings ist sogar ein israelischer Araber Mitglied im
Kabinett.
Wie gut diese Menschen integriert sind, und dass die große
Mehrheit einfach nur in Frieden leben will, konnte ich am
letzten Tag meines Besuches feststellen. Obwohl wir einen
Besuch der Altstadt in Jerusalem aufgrund der erwarteten
Krawalle im letzten Moment abbrechen mussten, war es anschließend überhaupt
kein Problem in ein Dorf zu fahren, in dem überwiegend
israelische Araber wohnen, dort ein arabisches Restaurant
zu besuchen und gemeinsam und friedlich etwas zu essen.
Eines wurde mir bei allen Besuchen und Gesprächen sehr
deutlich bewusst. Die Menschen in Israel setzen bei vielen
Fragen vor allen Dingen auf die Freundschaft mit Deutschland.
Diese Freundschaft weiterhin zu pflegen und zu festigen werde
ich auch zukünftig als Teil meiner politischen Aufgabe
begreifen. 
Brigade-General (Polizei) Shaike Horowitz und Clemens Binninger.

Clemens Binninger, Vertreter des Verteidigungsministeriums
und Generale der israelischen Armee. |