21.12.2007 |
Sabine Kurtz:
Gleichberechtigung für Jungen herstellen – Boys’ Day
ausweiten
„Es ist Jungen schwer zu vermitteln, warum Mädchen
ein Zusatzangebot zur Berufsorientierung in der Schule erhalten
und sie nicht“. Mit dieser Begründung erkundigte
sich Sabine Kurtz in einem parlamentarischen Antrag bei der
Landesregierung danach, ob damit zu rechnen sei, dass in Zukunft
in Baden-Württemberg flächendeckend ein sogenannter
Boys’ Day durchgeführt wird.
In Baden-Württemberg wird seit dem Jahr 2002 ein Girls’ Day
durchgeführt, der dazu dient, Schülerinnen mit für
Frauen untypischen Berufen in Kontakt zu bringen. Die Zahl
der Teilnehmerinnen ist erfreulicherweise seither kontinuierlich
gestiegen. Im Jahr 2007 haben ca. 16.000 Schülerinnen
dieses eintägige Praktikum schwerpunktmäßig
in technischen Berufsfeldern absolviert.
Einen ersten Schritt zur Gleichberechtigung von Jungen sieht
die jugendpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion in
dem im Jahr 2007 zum erstem Mal in vier Modellregionen durchgeführten
Boys’ Day. Dabei erhielten Jungen ab der 5. Klasse die
Möglichkeit, Berufe im sozialen und erzieherischen Bereich
z.B. in Kindergärten, Alten- und Pflegeheimen, in der
Behindertenhilfe usw. kennen zu lernen. Solche Einblicke könnten,
so Sabine Kurtz, einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung
und Lebensplanung leisten und zum partnerschaftlichen Umgang
von Männern und Frauen beitragen. Im kommenden Jahr sei
damit zu rechnen, dass sich doppelt so viele, vielleicht auch
mehr Landkreise beteiligen. Die Koordinierung könne von
den Gleichstellungsbeauftragen, den Agenturen für Arbeit,
den Jugendagenturen oder von anderer Stelle übernommen
werden. „Ich würde mich freuen, wenn sich noch mehr
Landkreise dazu aufgerufen fühlten und sich der Boys’ Day
landesweit etablieren würde.“ Da die baden-württembergische
Sozialministerin, Dr. Monika Stolz, im kommenden Jahr den Vorsitz
der Gleichstellungs- und Frauenministerkonferenz inne habe,
sei sie zuversichtlich, dass das Thema Chancengleichheit für
Jungen in Zukunft noch größeres Gewicht erhalten
werde.
„Wir müssen unser Augenmerk in der Bildungspolitik
stärker
auf die Jungen legen“, erklärte Sabine Kurtz. Es
gäbe ihr zu denken, dass Mädchen derzeit in allen
Schulformen bessere Leistungen als Jungen erzielten. Beim Abitur
lägen sie mit 53 Prozent vorn und die Erfolgsquote bei
den Abschlussprüfungen in der beruflichenAusbildung lag
2006 bei den Frauen mit 94,7 Prozent knapp drei Prozent über
der bei den Männern. Jungen dagegen stellten die Mehrzahl
der Schulabbrecher und der Klassenwiederholer. Zwar seien Jungen
in der Schule nicht per se benachteiligt, doch seien sie, besonders,
wenn Leistungsschwäche und Dominanzansprüche zusammenträfen,
in besonderem Maße auf Hilfe angewiesen.
Wichtig ist der Abgeordneten aus Leonberg, dass eine Überprüfung
statt findet, ob Girls’ Day und Boys’ Day tatsächlich
im ursprünglichen Sinne genutzt werden: „Das Ziel,
geschlechtsuntypische Berufssparten kennen zu lernen, müsse
an diesem Tag tatsächlich verfolgt werden", so Kurtz.
Wie das Ministerium für Arbeit und Soziales in der Antwort
auf ihre Anfrage einräumt, läge bisher noch keine
wissenschaftliche Evaluation vor. Die Praxis zeige jedoch,
dass sich der Girls’ Day etabliert habe und von allen
Aktionspartnern sehr positiv bewertet werde. Eine tiefer gehende
Untersuchung sei vorgesehen.
|