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26.12.2007 |
Bischöfe fordern mehr soziale Verantwortung und Gerechtigkeit
Die Bischöfe der großen Kirchen in Baden-Württemberg haben in ihren Weihnachtspredigten die soziale Verantwortung hervorgehoben. Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch rief zu einer Neubesinnung auf Gerechtigkeit in der Gesellschaft auf.
Es sei schockierend, wenn Großbetriebe trotz beträchtlicher Gewinne zur Kostensenkung Mitarbeiter entließen, sagte Zollitsch im Freiburger Münster. Auch überhöhte Managergehälter und astronomische Summen von Abfindungen machten eine Neubesinnung notwendig.
Zudem beklagte der Erzbischof einen überzogenen Individualismus der Menschen. Eine Ellenbogengesellschaft bringe uns nicht weiter. Die "Geiz-ist-geil"-Kampagne habe Spuren hinterlassen und die Versuchung geschürt, auf Kosten der Solidarität zu sparen. Wenn Sparsamkeit zum rücksichtslosen Geiz pervertiere, sei sie auf dem Holzweg.
Zollitsch mahnte auch zu mehr Friedensengagement. Gott lege den Frieden nicht einfach in Geschenkpapier verpackt unter den Christbaum. "Die Gabe des Friedens wird uns zur Aufgabe gegeben", sagte der Erzbischof und verwies auf eine starke Zunahme an Gewalt in Kinderzimmern und auf Schulhöfen. Eine Gesellschaft, die sich dieser Aufgabe nicht mehr stelle, sei eine arme Gesellschaft.
Fürst warnt vor "hemmungsloser" Biotechnologie
Der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst hat in seiner Weihnachtspredigt vor möglichen Gefahren der Biotechnologie gewarnt. "Nicht in der Forschung steckt die Gefahr, sondern dass sie hemmungslos geworden ist, gefährdet uns", sagte Fürst in der Stuttgarter Domkirche Sankt Eberhard.
Menschliches Leben werde zur Verfügungsmasse degradiert. "Wer meint, über alles verfügen zu können, der tötet menschliche Embryonen für Forschungszwecke", kritisierte der Bischof. Embryonale Menschen würden verworfen, wenn sie nicht zu Vorstellungen vom perfekten Leben passten. Beim Klonen würden beliebig viele Kopien von Menschenmaterial hergestellt und damit die Einzigartigkeit und Originalität des Menschen zerstört. Wer meine, über alles verfügen zu können, meine schließlich auch, aktiv zum Sterben helfen zu müssen, so Fürst.
Wer aufhöre, Gott zu ehren, fängt nach seinen Worten früher oder später an, selbst Gott spielen zu wollen. Dies sei ein "verheerendes Spiel, das uns auf abschüssiger Bahn dem Abgrund unserer Existenz entgegentaumeln und unsere Menschenwürde verspielen lässt". Wer dagegen Gott die Ehre gebe, der würdige den Menschen - und umgekehrt, sagte der Bischof.
July: Gewalt gegen Kinder ist Provokation Gottes
Der evangelische Landesbischof Frank O. July betonte in Stuttgart, Gewalt gegen Kinder sei eine Provokation Gottes. Die Benachteiligung und Chancengleichheit von Kindern aus sozial schwachen Familien sei kein Thema, das die Kirchen aus aktuellem Anlass aufgenommen hätten, sondern das zum Grundton von Weihnachten gehöre.
Landesbischof Ulrich Fischer sagte in Karlsruhe, Gott mache Mut, Armut nicht zu verschweigen. "Niemand muss sich schämen, weil er oder sie kein Geld hat, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Gottes Liebe können wir einander umsonst weitergeben." Das paradoxe Geheimnis der Weihnacht sei es, dass die Armut Gottes im Stall letztlich den größten Reichtum für alle bedeute.
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