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06.01.2008 |
Sabine Kurtz: Jugendobdachlosigkeit im Auge behalten – Mobile Jugendarbeit verstärkt
Obdachlosigkeit bei Jugendlichen ist in Baden-Württemberg ein Problem. Wie aus der jetzt vorliegenden Antwort des baden-württembergischen Sozialministeriums auf einen Antrag der CDU-Landtagsabgeordneten Sabine Kurtz hervorgeht, sind davon die 18- bis 29-Jährigen mit rund einem Fünftel betroffen und machen damit die zweitgrößte Gruppe der Obdachlosen im Land aus. Den größten Anteil bei den Wohnungslosen stellen die 40- bis 49-Jährigen mit 28 Prozent.
Das Sozialministerium beruft sich in seiner Antwort auf die jährlichen Erhebungen der Liga der freien Wohlfahrtspflege. Unter Berücksichtigung der Dunkelziffer schätzt die Liga die Zahl der Wohnungslosen in Baden-Württemberg im Jahr 2007 auf etwa 20.000, davon mindestens 2.500 Menschen unter 25 Jahren.
Im Landkreis Böblingen waren nach weiteren Angaben der Liga im Jahr 2007 136 Menschen obdachlos, davon 38 unter 25 Jahren. Zum Vergleich: Im Kreis Ludwigsburg waren im soeben abgelaufenen Jahr 400 Menschen obdachlos, davon 47 unter 25 Jahren. In Stuttgart sind im Berichtszeitraum 2.583 Obdachlose registriert worden. 343 gehörten der Altersgruppe unter 25 Jahren an. Nicht berücksichtigt sind in diesen Zahlen mögliche Dunkelziffern.
Erschreckend sind für Sabine Kurtz die Gründe und Ursachen, die Jugendliche in die Obdachlosigkeit stürzen. „Auslöser für den ersten Schritt in die Wohnungsnot sind häufig belastende und gewaltgeprägte Familienverhältnisse. Oft sind die betroffenen Jugendlichen mit Erziehungskonflikten konfrontiert oder müssen gar sexuellen Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung oder Verwahrlosung erleiden“, so die jugendpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion. Zudem stelle die Jugend naturgemäß einen schwierigen und häufig auch konfliktreichen Lebensabschnitt dar; durch die gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte werde das Ausbrechen aus traditionellen Lebensbezügen gerade in dieser Phase zusätzlich begünstigt.
Aus der Stellungnahme des Ministeriums geht auch hervor, dass bei jungen Menschen mittlerweile auf der einen Seite eine sehr frühzeitige sozio-kulturelle Verselbständigung zu beobachten sei, sich aber andererseits ihre ökonomische Abhängigkeit vom Elternhaus oder staatlichen Transferleistungen oft bis ins Erwachsenenalter verlängere. Parallel hierzu sei eine sichtlich abnehmende Bereitschaft von jungen Menschen festzustellen, sich mit ihren vielfältigen Notlagen an die originär zuständigen Instanzen zu wenden. Jugendliche würden sich zunehmend sozialen Einrichtungen, Diensten und Hilfsangeboten entziehen – sei es, weil sie schlechte Erfahrungen mit diesen Einrichtungen gesammelt hätten, oder weil sie von vorneherein kein Vertrauen entwickelten.
„Wir müssen das Problem der Jugendobdachlosigkeit im Auge behalten und daraus die notwendigen Konsequenzen ziehen“, unterstreicht die Leonberger Landtagsabgeordnete in einer Pressemitteilung. So habe das Land Baden-Württemberg im Rahmen der Erneuerung des Ausbildungsbündnisses im Doppelhaushalt 2007/2008 die Mittel für die Mobile Jugendarbeit von bisher rund einer Million Euro auf rund 2,4 Millionen Euro aufgestockt. Sabine Kurtz begrüßt, dass durch die Mittelaufstockung im Jahr 2007 51 neue Vollzeitstellen für Sozialarbeiter/-innen bei den Einrichtungen der Mobilen Jugendarbeit geschaffen werden konnten. „Die Streetworker leisten gute Arbeit, deshalb halte ich es für sinnvoll, diesen Bereich weiter zu stärken“, so die CDU-Politikerin.
Der Schwerpunkt der Mobilen Jugendarbeit liege in der Unterstützung benachteiligter Jugendlicher und junger Erwachsener, die von den herkömmlichen Angeboten der Jugendhilfe nicht mehr erreicht würden.
Durch diese aufsuchende Form der Sozialarbeit könne ein Zugang und ein Vertrauensverhältnis zu den Jugendlichen entwickelt und daraus eine Stärkung der Persönlichkeit und des Sozialverhaltens erreicht werden. Das Ziel der Mobilen Jugendarbeit sei es, diese jungen Menschen beruflich und gesellschaftlich wieder zu integrieren, sie „von der Straße zu holen“ und ihnen eine Zukunftsperspektive aufzuzeigen. Die Aufstockung der Mittel für die Mobile Jugendarbeit komme somit insbesondere auch den obdachlosen Jugendlichen, den sog. „Straßenkindern“ zugute. Zudem biete die Jugendhilfe mit ihren vielfältigen ambulanten, teilstationären und stationären Angeboten gezielte Hilfen für auf der Straße lebende Jugendliche.
Der Kreis Böblingen ist laut Sabine Kurtz im Hinblick auf die Jugendsozialarbeit vorbildlich.
Einrichtungen wie das Waldhaus oder der Verein für Jugendhilfe leisteten hervorragende Arbeit; zudem setzten die meisten Kommunen Gemeindejugendreferenten ein.
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