| 05.09.2008 |
Kultusminister Rau: Derzeit keine Perspektive für neues Gymnasium im Raum Gärtringen
Kurtz und Nemeth initiativ
Baden-Württembergs Kultusminister Helmut Rau sieht „derzeit leider keine Perspektive für ein neues Gymnasium im Landkreis Böblingen“. Das geht aus einem Schreiben des Ministers an die beiden CDU-Landtagsabgeordneten Sabine Kurtz und Paul Nemeth hervor. Vor dem Hintergrund der öffentlichen Diskussionen um einen möglichen neuen Gymnasiumsstandort in der Raumschaft Aidlingen, Ehningen und Gärtringen hatten sich die beiden CDU-Politiker an Kultusminister Rau gewandt, und in einem acht Punkte umfassenden Fragenkatalog um entsprechende Aufklärung – auch im Blick auf aktuelle und zu erwartende Schülerzahlen – gebeten.
Die CDU Landtagsabgeordneten Kurtz und Nemeth hatten in ihrem Brief an den Minister darauf hingewiesen, dass die Einrichtung eines neuen Gymnasiums in den genannten Gemeinden aktuell diskutiert würde. Vor allem der Hinweis der aufnehmenden Gymnasien vom Frühsommer, nach dem für Schülerinnen und Schüler aus Aidlingen, Ehningen und Gärtringen kein Platz mehr vorhanden sei, habe zu großer Sorge bei Eltern und Kommunalpolitikern geführt habe. In der Zwischenzeit hätten zwar alle betroffenen Kinder einen Gymnasiumsplatz erhalten - allerdings nicht immer an der gewünschten Schule.
Rau verweist darauf, dass nach einer Modellrechnung bis zum Schuljahr 2015/16 mit einem Rückgang der Schülerzahlen an den Gymnasien des Landkreises Böblingen von derzeit 13.000 auf rund 11.500, also um etwa zwölf Prozent, zu rechnen sei.
Der Kultusminister betont, grundlegende Voraussetzung für die Einrichtung einer neuen Schule sei nach dem Schulgesetz das Vorliegen eines öffentlichen Interesses. Daher könne die Einrichtung einer neuen Schule nur erfolgen, wenn hierdurch andernorts bereits bestehende Schulen weder in ihrer Leistungsfähigkeit noch in ihrer Aufnahmekapazität „nachhaltig negativ tangiert werden“.
Der Minister teilt Sabine Kurtz und Paul Nemeth außerdem mit, dass er auf Grund ihrer Anfrage die langfristigen Schülerzahlen für einen möglichen Standort in Gärtringen sowie die Auswirkungen eines neuen Gymnasiums auf die bislang vorwiegend besuchten Gymnasien in Sindelfingen (Stifts- und Goldberg-Gymnasium), Böblingen (Otto-Hahn- und Albert-Einstein-Gymnasium) und Herrenberg (Andreae-Gymnasium) habe überprüfen lassen:
Hiernach würden die notwendigen Schülerzahlen für einen neuen Standort zwar erreicht, jedoch können diese Schüler auch weiterhin in den bereits bestehenden Gymnasien unterrichtet werden.
Angesichts des bis zum Schuljahr 2015/16 zu erwartenden Rückgangs der Schülerzahlen an den Gymnasien wird sich die Aufnahmekapazität der bestehenden Gymnasien für auswärtige Schüler im Landkreis kontinuierlich erhöhen, so dass die bereits bestehenden Schulen auch weiterhin alle Gymnasialschüler aus den Gemeinden Aidlingen, Ehningen, Gärtringen und Nufringen aufnehmen können. Der Neubau eines Gymnasiums im Raum Gärtringen würde zu Leerständen in den seit langem bestehenden und seinerzeit mit öffentlichen Mitteln geförderten Gymnasien führen.
Die CDU-Landtagsabgeordnete Sabine Kurtz unterstreicht in einer Stellungnahme, Rau habe in seinem Schreiben klares Zahlenmaterial vorgelegt, aus dem Eltern und Kommunalpolitiker in den betroffenen Gemeinden nun ihre Schlüsse ziehen könnten. Wichtig sei ihr, zu einer Versachlichung der Diskussion beizutragen, um die Situation real einschätzen zu können.
Da neben dem Bau der dauerhafte Unterhalt von Schulen grundsätzlich Aufgabe des Schulträgers sei, müsse in diesem Zusammenhang auch die langfristige finanzielle Belastung bei der Entscheidung vor Ort in den Kommunen berücksichtigt werden. |