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24.10.2008 |

Breiter Diskussionsprozess über mehr Zusammenarbeit von Böblingen und Sindelfingen gefordert

Die Städte Böblingen und Sindelfingen arbeiten in vielen Teilbereichen zusammen.
Schon lange werden die Technischen Betriebsdienste, das Goldberggymnasium und die Kläranlage in gemeinsamen Zweckverbänden betrieben. Größtes gemeinsames Projekt ist die Entwicklung des Flugfelds durch einen gemeinsamen Zweckverband. Die Zusammenlegung der Hallengesellschaften ist ebenfalls beschlossene Sache.

Wie wird sich die Zusammenarbeit der beiden Städte in der Zukunft weiter entwickeln? Kommt gar eines Tages die gemeinsame Stadt?

Zu diesem Thema veranstalteten die beiden CDU-Stadtverbände Böblingen und Sindelfingen eine öffentliche Diskussionsveranstaltung.

Der Veranstaltungsort hatte, wie der zuvor auf einer gemeinsamen Vorstandssitzung der beiden CDU-Verbände gefasste Beschluss, 2009 wieder einen gemeinsamen Kommunalwahlkampf zu führen, Symbolcharakter: Das Bowlingcenter an der S-Bahnhaltestelle Goldberg liegt auf der Grenze der beiden Städte. In den Redebeiträgen der beiden Stadtverbandsvorsitzenden Paul Nemeth MdL (Böblingen) und Thomas Riesch (Sindelfingen) sowie in der im Anschluss von SZBZ-Chefredakteur Hans-Jörg Zürn moderierten Diskussion mit dem Publikum standen jedoch mehr die kommunalpolitischen Fakten als reine Symbolpolitik im Fordergrund.

Der Frage nach einer gemeinsamen Stadt stehen Nemeth und Riesch grundsätzlich offen gegenüber.
„Ob die gemeinsame Stadt kommt oder nicht, muss ergebnisoffen diskutiert werden. Die Vereinigung der beiden Städte darf dabei nicht von vorneherein ausgeschlossen aber auch nicht zum Selbstzweck werden“, meint Paul Nemeth. Für Thomas Riesch ist es wichtig, die Bürger bei der Diskussion um mehr Gemeinsamkeit von Anfang an zu beteiligen. „Mehr Zusammenarbeit oder gar die gemeinsame Stadt geht nur mit und nicht gegen die Bürger. Wir müssen ihre Erwartungen aber auch ihre Sorgen und Nöte ernst nehmen.“ Den CDU- Stadtverbänden sei es daher wichtig, die Diskussion jetzt anzustoßen und künftig auf breiter Ebene fortzusetzen.

In einem Impulsreferat unterstrich Paul Nemeth vor allem zwei Bereiche, in denen er sich eine Intensivierung der Kooperation wünscht.
„Die Gründung einer gemeinsamen Fernwärmegesellschaft mit dem Ziel eines gemeinsamen Fernwärmenetzes kann uns wirtschaftlich und auch unter umweltpolitischen Gesichtspunkten immense Vorteile bringen“, so Nemeth. Die im Sindelfinger Kraftwerk der Daimler AG und im Böblinger Restmüllheizkraftwerk erzeugte Abwärme könne nicht nur fürs Flugfeld, sondern auch für bisher nicht ans Böblinger Fernwärmenetz angeschlossene Großverbraucher, wie das Landratsamt, das kaufmännische Schulzentrum und das Amtsgericht genutzt werden. In weiterer Zukunft könne sogar die noch komplett ölbeheizte Panzerkaserne hinzukommen. „Damit könnten wir durch umweltfreundliche Kraft-Wärmekopplung auch das in die Jahre gekommene Böblinger Heizkraftwerk Grund entlasten“ meint der Böblinger CDU-Vorsitzende, der auch Energiepolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion ist.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist nach Ansicht Nemeths die Entwicklung eines gemeinsamen Verkehrskonzepts. „Der gemeinsame Kampf für die Überdeckelung der A 81 durch die städteübergreifende Bürgerinitiative zeigt, dass sich die Bürger beim Thema Verkehr und Lärmschutz einig sind,“ so Nemeth. Die Verkehrsbeziehungen beider Städte seien auch sonst so eng miteinander verflochten, dass sie nur in einem gemeinsamen Konzept sinnvoll aufeinander abgestimmt und weiterentwickelt werden könnten.

Thomas Riesch stellte in seinem Kurzreferat die Forderung nach einem gemeinsamen Einzelhandelskonzept und der Bildung einer gemeinsamen Wirtschaftsförderungsgesellschaft in den Fordergrund.
„Beide Städte können nur gemeinsam sinnvolle Schwerpunkte für großflächigen Einzelhandel setzen. Wenn wir das ohne Abstimmung als Konkurrenten tun, würden wir nicht nur in unseren Innenstädten den Bestand gefährden“ ist der Sindelfinger CDU-Vorsitzende überzeugt. Vor allem wegen der gemeinsamen Entwicklung des Flugfelds müsse auch die Wirtschaftsförderung künftig aus einem Guss kommen. So könnten durch eine gemeinsame Wirtschaftsförderung deutlich mehr Gewerbeflächen angeboten werden. Vor allem könne aber auch ein gemeinsames Standortmarketing deutlich stärker auftreten, als bisher. „Die Sindelfinger Wirtschaftsförderung ist bewusst in Form einer GmbH gegründet worden, damit sich weitere Partner beteiligen können“, erklärte Riesch. Böblingen solle deshalb als gleichberechtigter Partner mit einsteigen.

SZBZ-Chefredakteur Hans-Jörg Zürn konnte in der anschließenden Diskussionsrunde zahlreiche weitere Themenvorschläge zu möglichen Feldern der interkommunalen Zusammenarbeit aus dem Publikum aufnehmen.
Für unrealistisch halten Nemeth und Riesch den Publikumsvorschlag einer gemeinsamen Eissporthalle. Das sei im Moment nicht finanzierbar. Als durchaus überlegenswert stellten sich jedoch die Vorschläge für ein gemeinsames Beleuchtungskonzept, gemeinsame Bürger- und Straßenfeste, die langfristige Schaffung einer gemeinsamen Multifunktionshalle als Ersatz für die Böblinger Sporthalle und eine vertiefte Abstimmung im Bereich Kleinkindbetreuung, Kindergärten und Schulen heraus.


 Interkommunale Zusammenarbeit im Blick (von links): Hans-Jörg Zürn, Thomas Riesch und Paul Nemeth.

Interkommunale Zusammenarbeit im Blick (von links): Hans-Jörg Zürn, Thomas Riesch und Paul Nemeth.

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