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23.03.2009 |

Für sie ist Europa tägliches Brot
MdEP Dr. Inge Gräßles „Gastspiel“ bei der Kreis-Frauen-Union

Für viele Bürgerinnen und Bürger ist die Europäische Union (EU) ein diffuses Gebilde. Was dort beschlossen wird, ist oft ein Buch mit sieben Siegeln. Wie lassen sich solche Defizite abbauen? Gerti Mayer-Vorfelder und Marina Angladagis von der Kreis-Frauen-Union hatten eine zündende Idee: Wir laden Dr. Inge Gräßle, Abgeordnete des Europäischen Parlaments, zu einem Gespräch in Böblingen ein. Gesagt, getan. Der größeren Resonanz wegen wurde der CDU-Kreisverband und der Arbeitskreis Europa mit ins Boot genommen. „Die Europäische Union – Entwicklungen und Chancen für die Bürger und Bürgerinnen“ sollte das Thema lauten.

Am 22. März war es soweit. Zum „Europäischen Frühschoppen“ in der „Kulisse“ Bar’n’Lounge in Böblingen fanden sich viele ein: neben dem Kreisvorsitzenden Wolfgang Heubach die drei CDU-Europa-Kandidaten aus dem Kreis Böblingen: Marina Angladagis (Böblingen), Michael Moroff (Leonberg) und Manuel Benda (Ehningen), letzterer Ersatzkandidat für Dr. Inge Gräßle, die auf der CDU-Landesliste Baden-Württemberg zur Europa-Wahl auf dem fünften Platz kandidiert. Die Organisation des politisch-musikalisch-kulinarischen Frühschoppens lag in den Händen von Marina Angladagis und Gerti Mayer-Vorfelder. Für den musikalischen Rahmen wurde das Dagersheimer Kienle-Septett engagiert. Für das reichhaltige Büfett sorgten einige FU-Damen.

Die Bedeutung des europäischen Parlaments wächst, die Akzeptanz bei der Bevölkerung, man mag das bedauern, schwindet. Heubach wies deshalb in seinem Grußwort hin, dass es in unserer zunehmend globalisierten und vernetzten Welt keine Alternative zur EU gibt.

Die Attraktivität der EU, fuhr die die EU-Abgeordnete fort, zeigt sich in der steigenden Zahl der Mitgliedsländer. Der im Frühjahr 1957 in Rom gegründeten Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) gehörten gerade mal sechs Länder an. Heute umfasst die EU 27 Mitgliedsstaaten mit rund 490 Millionen Bewohnern. Gräßle machte deutlich, dass Deutschland als Exportnation auf die Kooperation mit den europäischen Nachbarn angewiesen ist. Die Aufnahme zahlreicher Ostblock-Länder, nach landläufiger Meinung allesamt arme Länder, die nur „unser“ Geld wollen, eröffnet neue Märkte, bietet zusätzliche Absatzchancen und sichert Arbeitsplätze.

„ Wir verdanken der EU sehr viel: Frieden, Reise- und Bewegungsfreiheit, Sicherheit und eine gemeinsame Währung“, erklärte Gräßle euphorisch, „auch wenn das von vielen Bürgerinnen und Bürgern nicht so wahrgenommen wird“. Sie erinnerte an die Schreckenszenarien bei Einführung des Euro. Der Umtausch der Deutschen Mark kam fast einem Weltuntergang gleich. Heute gilt der Euro, neben dem US-Dollar, als die wichtigste Währung der Welt.

Gleichwohl: „Die gegenwärtige Wirtschafts- und Finanzkrise ist auch für die EU eine große Herausforderung“. Wer hätte gedacht, dass der monetäre Tsunami selbst uneinnehmbar geglaubte Festungen zum Einsturz bringt und kaum einen Bürger verschont. Dennoch seien Deutschland und vor allem Baden-Württemberg bis jetzt glimpflich davongekommen, so die EU-Abgeordnete. „Damit hat der Euro seine Bewährungsprobe bestanden“. In den Staaten, die nicht der Europäischen Währungsunion angehören, ist die Lage viel kritischer. Ungarn und Lettland zum Beispiel stehen kurz vor dem Staatsbankrott. Die gegenwärtige Finanzkrise zwingt nicht nur zu einer schärferen Kontrolle des Kapitalmarktes, sie führt auch zu einem Umdenken bei einzelnen EU-Staaten. „Sie wollen ins Euroland“, weiß Gräßle „je früher desto besser.“

Im geschichtlichen Rückspiegel erscheint die EU als eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Dass andere Länder deshalb auf eine Mitgliedschaft drängen, ist verständlich. Der angepeilte Beitritt wird allerdings auf sich warten lassen. „Die Erweiterung um weitere zwölf Staaten hat die EU an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gebracht.“. Deshalb werden in den nächsten fünf Jahren keine weiteren Mitglieder aufgenommen. Gräßle geht noch einen Schritt weiter: Als einzige deutsche Partei lehnt die CDU/CSU-Gruppe die Aufnahme der Türkei in die EU ab, „nicht aus ideologischen Gründen, sondern wegen der schieren Größe“. Bei 72 Millionen Bewohnern müsste die EU Transferleistungen von jährlich 27 Milliarden Euro erbringen. „Das ist nicht finanzierbar“, weiß die europäische Haushalts- und Finanzpolitikerin.

Am 7. Juni sind Europawahlen. Angesichts einer stetig sinkenden Wahlbeteiligung – 2004 gingen nur 43 Prozent an die Urne – appellierte Gräßle an die Anwesenden, von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen. „Nur so können Sie ihre Vorstellungen in die EU-Gesetzgebung und –ausführung einbringen“. Schließlich ist Baden-Württemberg Europas drittstärkste Wirtschaftsregion. „Mit Ihrer Stimmabgabe helfen Sie, zu sichern. Sie brauchen nur ein einziges Kreuzchen zu machen. “

Text: Anita Högner

Europa als Lebensaufgabe (von links): Michael Moroff, Dr. Inge Gräßle, Manuel Benda, Marina Angladagis, Wolfgang Heubach.
Europa als Lebensaufgabe (von links): Michael Moroff, Dr. Inge Gräßle, Manuel Benda, Marina Angladagis, Wolfgang Heubach.

Dr. Inge Gräßle MdEP in ihrem Element

In ihrem Element: Dr. Inge Gräßle, MdEP. Beide Fotos: Gerti Mayer-Vorfelder

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