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05.10.2009 |

Jörg Schönbohm bei Feierstunde zum "Tag der deutschen Einheit" in Ehningen:
Wiedervereinigung ist ein ständiger Prozess

Als ein gemeinsames Volk seien wir verpflichtet, an der Vollendung der deutschen Einheit mitzuarbeiten. Da sich der Mauerfall vor 20 Jahren als ein unfertiges Geschenk erwiesen habe, gehe es nun darum, dem wiedervereinten Deutschland eine aktive Rolle in einem geeinten Europa zu ermöglichen.

Mit diesem Appell beendete der auf Einladung von Clemens Binninger in die Ehninger Begegnungsstätte gekommene brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm seine Rede zum Tag der Deutschen Einheit, für die er von den über 200 Gästen viel Beifall bekam. Der 72-Jährige gewährte anfangs einen Einblick in seine von einer beispielhaften militärischen Laufbahn geprägten Biografie, ehe er an die schwierige Zeit vor dem Mauerfall erinnerte, die für eine ganze Generation von "Wendekindern" zur alltäglichen Normalität geworden sei.

Schönbohm sprach von seiner Jugendzeit in Brandenburg, von der Flucht als Junge und der glücklichen Rückkehr nach dem Mauerfall. Nur ungläubig, so der Politiker, schütteln seine Gäste den Kopf, wenn er jetzt daheim in Kleinmachnow Besuchern "diese Geschichte von damals" erzähle. Weit, sehr weit sogar, seien leider manche Menschen von dieser Zeit entfernt. Nicht wegen der vom ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl versprochenen "blühenden Landschaften", sondern weil eben vieles picobello sei, "manches besser als hier im Westen". Lange zuvor hätten Tristesse, Unfreiheit und Bevormundung dem Leben drüben den Stempel aufgedrückt. Bis endlich im November 1989 die Fesseln der DDR-Zwangsherrschaft gesprengt worden seien.

Ernst wurde Jörg Schönbohm bei der Frage nach der Vollendung der Einheit. Sie sei niemals abgeschlossen. Die Wiedervereinigung sei als eine Art Solidargemeinschaft und als Prozess in Gang zu halten. Wie auch als Brüderlichkeit, von der im Lied der Deutschen die Rede sei.

Eröffnet wurde die vom Musikverein Ehningen umrahmte Feierstunde von der CDU-Gemeindeverbandsvorsitzenden Jutta Schießler, die vom Mauerfall während einer Musikprobe erfahren hatte. In ihre Grußbotschaft schloss sie nicht allein jeden einzelnen Ehrengast ein, sondern freute sich auch über die vielen Zuhörer von auswärts. Einen Gast hob Bürgermeister Claus Unger besonders hervor. Er hieß den auf den Rollstuhl angewiesenen früheren Gemeinderat und Schultes-Vize Fritz Nüßle besonders willkommen: "Es freut uns sehr, dass Sie da sind." Ist das schon 20 Jahre her, habe er sich gefragt, als neulich wieder die bewegenden Fotos von einst mit Hans-Dietrich Genscher über den Bildschirm flatterten, sagte Claus Unger. Mit dem Mauerfall und der Wiedervereinigung sei bewiesen, dass etwas scheinbar Unmögliches doch möglich geworden sei. Unger zeigte sich dankbar über die Wiedervereinigung und gegenüber der Ehninger CDU, die dieses Ereignis Jahr für Jahr sorgsam hege und pflege.

Bevor das Deutschland-Lied erklang und der Ehrengast mit Geschenken überrascht wurde, ergriff der CDU-Kreisvorsitzende Wolfgang Heubach das Wort und meinte, an Schönbohms Gedankengänge anknüpfend, die Geschichte habe dieser und kommenden Generationen zwei großartige Geschenke gemacht: Die deutsche Einheit und das zusammenwachsende Europa. Beides gehöre zusammen. Er appellierte eindringlich insbesondere an die Jüngeren, diese "einmalige historischen Chance" zu ergreifen und konsequent zu nutzen. Darauf hätten die Menschen in Deutschland jahrzehntelang und die Menschen in Europa jahrhundertelang gewartet. Und unter ausdrücklichem Hinweis auf das Motto der Feierstunde in Ehningen "aus der Vergangenheit lernen, um Zukunft zu gestalten" rief Heubach dazu auf, sich allen Versuchen energisch zu widersetzen, diese Vergangenheit zu verklären, oder gar zu verfälschen. Geschichte so dazustellen, wie sie sich wirklich ereignet habe, sei nicht nur eine Aufgabe der Schulen, sondern der gesamten Gesellschaft. Nur auf einer solchen Basis könne man die Zukunft in einem freiheitlichen, rechtsstaatlichen und demokratischen Staatswesen gestalten. Er bekannte sich in diesem Zusammenhang ausdrücklich dazu, ein Konservativer in dem Sinne zu sein, nicht die Asche zu bewahren, sondern das Feuer, das Licht, die Fackel weiter zu tragen.

An der traditionellen Feierstunde in Ehningen nahmen unter anderem der CDU-Bundestagsabgeordnete Clemens Binninger mit seiner Frau, der Nufringer Bürgermeisterin Ulrike Binninger, die beiden CDU-Landtagsabgeordneten Paul Nemeth und Sabine Kurtz, der Ehrenvorsitzende des CDU-Kreisverbandes Böblingen, Erhart Ehlert, Regionalrätin Elisabeth Buck, der frühere CDU-Kreisvorsitzende und langjährige Landrat Dr. Reiner Heeb, der Ehrenvorsitzzende des CDU-Gemeindeverbandes Ehningen und Kreisvorsitzende der Senioren-Union, Hans-August Kohle, Mitglieder des CDU-Kreisvorstandes und weiterer Parteigremien sowie eine Abordnung aus Torgau teil. Die Torgauer sind seit Jahren mit dem CDU-Stadtverband Sindelfingen freundschaftlich verbunden und zählen inzwischen zu den besonderen Ehrengästen der Ehninger Veranstaltung.

Siegfried Hartenberger aus Nufringen hatte einen kleinen Dokumentationsstand mit Original Schriften aus der früheren DDR aufgebaut. Viele Besucherinnen und Besucher nahmen die Gelegenheit wahr, einen Blick hineinzuwerfen.

Die über 200 Gäste aus dem gesamten Kreis Böblingen wurden von den fleissigen Helferinnen und Helfern des CDU-Gemeindeverbandes Ehningen wiederum vortrefflich mit Kaffe und Kuchen sowie Getränken bewirtet.

Feierstunde zum „Tag der Deutschen Einhait“ in Ehningen

"Tag der deutschen Einheit" in Ehningen (von links): Jutta Schießler, Wolfgang Heubach, Jörg Schönbohm, Clemens Binninger, Paul Nemeth, Sabine Kurtz und Claus Unger.

Die Feierstunde in Ehningen war gut besucht

Die Feierstunde war wie immer hervorragend besucht.


Ehningens Bürgermeister Claus Unger bei seinem Grußwort.

Ehningens Bürgermeister Claus Unger bei seinem Grußwort.


Deutsche Geschichte mitgestaltet: Innenminister Jörg Schönbohm.

Deutsche Geschichte mitgestaltet: Innenminister Jörg Schönbohm.


Mit kleinen Gastgeschenken überrascht (von links): Jörg Schönbohm, Wolfgang Heubach, Jutta Schießler und Claus Unger.

Mit kleinen Gastgeschenken überrascht (von links): Jörg Schönbohm, Wolfgang Heubach, Jutta Schießler und Claus Unger.

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