|
16.10.2009 |
Gespräch über Orientierungsplan im Kindergarten: Kinder im Mittelpunkt von Bildung und Erziehung
„Individuelle Förderung muss schon im Kindergarten beginnen.“ Diese Auffassung sah die Landtagsabgeordnete Sabine Kurtz durch den Vortrag von Bettina Stäb, Referentin des Evangelischen Landesverbands Tageseinrichtungen für Kinder in Württemberg e.V., im Leonberger Haus der Begegnung bestätigt. Rund zwanzig Eltern und Erzieherinnen waren der gemeinsamen Einladung des CDU-Stadtverbands und des Tages- und Pflegemutter e.V. Leonberg gefolgt und informierten sich über den Orientierungsplan im Kindergarten.
„Der Orientierungsplan ist kein Lehrplan“, betonte Bettina Stäb. Sein Ziel sei es, in allen Kindertagestätten in Baden-Württemberg die Bildung der 0- bis 6-Jährigen auf vergleichbare Grundlagen zu stellen. Noch stärker als in früheren Zeiten müsse das Kind mit seinen individuellen Anlagen im Mittelpunkt der Arbeit zu stehen. Aufgabe der Erzieherinnen sei es, die Stärken und Schwächen jedes einzelnen Kindes zu beobachten und dem Kind entsprechende Angebote zu machen, um es zu fördern. Jedes Kind solle gezielt mit sechs Bildungs- und Entwicklungsfeldern in Berührung kommen: Es gelte, seine körperlichen und sportlichen Fähigkeiten zu erproben, die Sinne anzuregen, die sprachliche Entwicklung zu fördern, das Denken zu schulen, Gefühl und Mitgefühl zu entwickeln. Nicht zuletzt habe der Kindergarten die Aufgabe, durch eine anregende Umgebung und pädagogisches Handeln Sinn, Werte und Religion zu vermitteln. Dabei sind diese Bildungs- und Entwicklungsfelder nicht separat zu betrachten. Sie sind alle miteinander verknüpft. Beispielsweise zieht sich die Sprachbildung wie ein roter Faden durch alle Bildungs- und Entwicklungsfelder
Kindergärten entwickeln sich weiter zu Bildungseinrichtungen. Das wirkt sich auch auf das pädagogische Konzept oder die Raumgestaltung aus. So werden die Kinder z.B. in sogenannten Bildungsinseln vielfältig zum selbständigen Ausprobieren, Experimentieren und Forschen angeregt. Die Erzieherin versteht sich dabei als Begleiterin und regt durch Fragen oder Impulse den Forscherdrang der Kinder an.
Sabine Kuhn, Vorsitzende des Tages- und Pflegemutter e.V. Leonberg, gab zu bedenken, dass Bildung und Bindung zusammengehören und betont die Bedeutung fester Bezugspersonen für die Kinder. Die Referentin nahm diese Frage sehr ernst. Eine sichere Bindung ist Grundvoraussetzung für die Entwicklung von Neugierde und Forscherlust. Um allen Kindern in diesem Sinne gerecht zu werden, bedarf es ausreichend und gut qualifiziertes Personal in den Einrichtungen.
Der Orientierungsplan, der nach einer vierjährigen Erprobungsphase im Sommer einer Anhörung durch die Verbände unterzogen und ergänzt wurde, werde von der Fachwelt sehr positiv aufgenommen, berichtete Bettina Stäb. Es sei zu wünschen, dass er flächendeckende Anwendung finde. Dies sei um so eher zu erwarten, als er keine starren Vorgaben mache. Das Konzept lässt der einzelnen Kindertageseinrichtung große Gestaltungsmöglichkeiten in der konkreten Umsetzung. Somit könne ihn jede Kindertagesstätte entsprechend der jeweiligen Vorstellungen des Personals, der Wünsche der Eltern und der Eigenheiten der Kinder individuell umsetzen - das eigene Profil bleibt erhalten. Sabine Kurtz verwies auf das Spitzengespräch zwischen Regierung und Kommunalen Spitzenverbänden am 20. Oktober und gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass eine Einigung gefunden werde hinsichtlich der Finanzierung der zusätzlichen Kosten, die den Kommunen durch die Einführung des Orientierungsplans entstehen.

Helga Sauer, Sabine Kuhn und Sabine Kurtz MdL (von links nach rechts).
|