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21.10.2009 | Podiumsdiskussion CDU Leonberg:

Jugendgefährdung und Jugendgewalt – Erkenntnisse aus Amokläufen an Schulen

Sabine Kurtz, CDU-LandtagsabgeordneteRund 13.000 angezeigte Straftaten an deutschen Schulen pro Jahr und der Amoklauf an der Albertville-Realschule in Winnenden in diesem Jahr waren Anlass für den CDU-Stadtverband Leonberg, zu einem Podiumsgespräch „Jugendgefährdung und Jugendgewalt: Erkenntnisse aus Amokläufen an Schulen“ einzuladen. 60 bis 70 Zuhörer folgten im Foyer der August-Lämmle-Schule mit großem Interesse den Ausführungen der Podiumsteilnehmer.

Prof. Adolf Gallwitz, Prodekan an der Hochschule für Polizei Villingen-Schwenningen, hielt in seinem Impulsreferat fest: Viele Ursachen, einzeln oder in einer Kombination, können Auslöser für Gewalt bei Kindern und Jugendlichen sein, unter anderem: Familien, in denen keine Bindungen bestehen, in denen Kinder missbraucht oder vernachlässigt werden, Familien, die ihre Kinder sich selbst überlassen und/oder nicht kontrollieren, soziale Isolation von Kindern in Schulen, stressreiche Ereignisse, Darstellung von Gewalt in den Medien, eine Risikoumgebung mit Gewalt, Sachbeschädigung und Psychoterror, Mobbing in der Schule (rd. zwei Prozent der Schüler mobben und rd. zwei Prozent werden gemobbt) sowie psychische Erkrankungen.

Zentrale Faktoren bei der speziellen Gruppe der Amokläufer sind subjektiv erlebte Kränkungen, ein bedrohtes Selbstwertgefühl und Rückzug in Phantasien. Es gibt jedoch kein einheitliches Täterprofil, wenn auch ein gewisser Narzissmus (ein geringes Selbstwertgefühl gepaart mit übertriebener Einschätzung der eigenen Wirklichkeit und der Wunsch nach Beachtung oder Anerkennung) zusammentrifft mit starker Selbstbezogenheit. Dies alles macht Prävention schwer.

Clemens BinningerUnter Moderation von Sabine Kurtz, MdL, ergänzten Dipl. Sozialpädagoge Jörg Litzenburger, Präventionsbeauftragter des Kreises Böblingen, und Clemens Binninger, MdB, aus ihrem Erfahrungsschatz.

Für Jörg Litzenburger beginnt die Arbeit bereits in den Elternhäusern. An diese heranzukommen ist häufig jedoch schwer, wenn nicht gar fast unmöglich. Insofern ist die Arbeit in den Kindergärten, schwerpunktmäßig in den Schulen ein wesentliches Element der Prävention, vor allem auch der Zugang über diese Institutionen zu den Eltern.

Eine Sensibilisierung der Erzieher und Lehrer, aber auch der Schüler sei ein erster Schritt. Darauf wies auch Philipp Steinle, Rektor der August-Lämmle-Schule, in seinem Statement hin. Lehrkräfte und Klassenkameraden müssen lernen, mit Problemen umzugehen und sich mehr mit- und umeinander zu kümmern. Dazu bedarf es einer Kultur in der Schule, die Respekt, Toleranz, zuhören können und aufeinander zugehen täglich erlebbar macht. Zwei sogenannte Streitschlichter (eine Schülerin und ein Schüler der Schule) konnten mit Beispielen erläutern, was es heißt, faustlos miteinander umzugehen.

„Gewalt ist eine Einschränkung der Freiheit“, so Clemens Binninger. Deshalb muss die Politik ihren Einsatz für Kriminalprävention erhöhen. Auch Strafe kann präventive Wirkung entfalten. Allerdings muss Strafe auch spürbar sein, und zwar möglichst in engem zeitlichem Zusammenhang mit der Tat. Strafe auf Bewährung gilt unter jugendlichen Straftätern zumeist schon als Freispruch. Spürbar ist z.B. ein Entzug des Führerscheins, ein Handyverbot oder ein kurzzeitiges Einsitzen bereits nach der ersten Tat, weil es für die Zukunft abschreckende Wirkung zeigt.

In einer lebhaften Diskussion konnten noch viele Fragen kompetent beantwortet werden. Einig waren sich alle: Die Gesellschaft muss Prävention fortentwickeln, Kinder und Jugendliche dürfen nicht allein gelassen bleiben. Fazit der Veranstaltung: Referate und Beiträge haben aufgeklärt. Dem Referenten, den Podiumsteilnehmern, dem Rektor, dem Elternbeirat, den Streitschlichtern, dem Hausmeister (der für die Technik und ein angenehmes Ambiente des langen Abends gesorgt hat) und nicht zuletzt unserer Landtagsabgeordneten, die durch den Abend geführt hat, wurde mit einem kräftigen Applaus gedankt.

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