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03.10.2010 | Matthias Gehler bei der Feierstunde zur Wiedervereinigung in Ehningen

Hautnah am Pulsschlag der Geschichte:
"Wir Deutschen haben dieses Zeitfenster bestmöglich genutzt"

"Der Weg in die Wiedervereinigung war der einzig richtige. Alle anderen Alternativen waren eine Illusion". Diese Überzeugung vertrat Matthias Gehler, 1990 im Rang eines Staatssekretärs als Regierungssprecher des frei gewählten und zugleich letzten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière tätig, bei der traditionellen Feierstunde zur Wieder­vereinigung, die der CDU-Gemeindeverband Ehningen und der CDU-Kreisverband Böblingen gemeinsam seit 20 Jahren in Ehningen veranstalten. An der Veranstaltung aus Anlaß des 20. Jahrestages der Wiedervereinigung Deutschlands nahmen neben zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern aus dem gesamten Kreisgebiet auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Clemens Binninger sowie die beiden CDU-Landtagsabgeordneten Paul Nemeth und Sabine Kurtz teil. Außerdem der CDU-Ehren-Kreisvorsitzende Erhart Ehlert, Mitglieder des CDU-Kreisvorstandes sowie Vereinigungsvorsitzende, der Ehninger CDU-Ehrenvorsitzende Hans-August Kohle sowie das neben Wolfgang Heubach einzige noch lebende Gründungsvorstandsmitglied der CDU-Ehningen, Franz Schwarzer.
 
Aufgewachsen in einem christlich-liberalen Elternhaus studierte Gehler  in der DDR Theologie, verweigerte den Wehrdienst mit der Waffe in der damaligen Nationalen Volksarmee und machte seine Ost-Berliner Wohnung zu einem illegalen Umschlagplatz für Bibeln nach Russland und in die baltischen Staaten. "Erwischt wurde von uns niemand", freut er sich noch heute und macht zugleich deutlich, daß er sich in jenen bewegten Jahren zwar als friedliebend jedoch keineswegs als Revolutionär sah.
 
Gehler, der heute MDR-Hörfunkchef ist und als Journalist arbeitet, schilderte autobiografisch spannend die Zeit vor und während des Mauerfalls sowie die Wochen und Monate danach. Wie der CDU-Kreisvorsitzende Wolfgang Heubach in seinem Schlußwort bemerkte, fühlten sich die Besucherinnen und Besucher in Ehningen an den "Pulsschlag der Zeit" zurückversetzt, vor allem weil Gehler als Regierungssprecher von de Maizière auch hautnahen Kontakt zur Weltpolitik hatte. Etwa zu den USA, "die uns sehr geholfen haben". Insbesondere der damalige Präsident Bush sen.  habe die Wiedervereinigung Deutschlands als historische Notwendigkeit angesehen. Aber von entscheidenden Begegnungen mit dem sowjetischen Präsidenten Gorbatschow und Ministerpräsidnet Ryschkov plauderte Matthias Gehler "aus dem Nähkästchen".
 
Gehler ging natürlich auch auf seine Stellvertreterin als Regierungssprecherin, die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel ein. Gebannt folgte das Publikum seinen Worten, als er die Umstände der Berufung Merkels schilderte. Diese habe sich zunächst Bedenkzeit erbeten und dann von London aus eine Zusage erteilt: Auf einem handgeschriebenen DIN-A-Blatt, dessen Kopie Gehler nach Ehningen mitgebracht hatte.
 
Ebenso spannend seine Schilderung, wie er persönlich den 9. November 1989 erlebt hat. Er sass an diesem Tag bei einer Veranstaltung im Französischen Dom, als zunächst eine vage Information über die Öffnung der Mauer die Runde machte. "Da ich es nicht glauben konnte, bin ich erst einmal in meine Wohnung nach Berlin-Friedrichshain zurück gefahren und ließ mich vom Fernsehen überzeugen", schilderte Gehler diese atemberaubenden historischen Stunden. Als er dann zu Fuß über die Grenze nach West-Berlin gegangen und auf der anderen Seite in einen bereit gestellten Bus eingestiegen sei, habe der Fahrer mit sprichwörtlich trockenem Berliner Witz gemeint: "Ick dachte, ihr kommt erst Weihnachten !"
 
Matthias Gehler machte in seiner bewegenden Rede deutlich, daß sich die damalige Allianz für Deutschland bei der ersten freien Volkskammerwahl nach dem Mauerfall unmißverständlich zur Wiedervereinigung bekannt habe. Die Allianz aus CDU, DA und DSU habe 47 Prozent der Stimmen erhalten. "Das heisst, das Volk hatte sich klar für die Wiedervereinigung entschieden", betonte Gehler. Und auf noch eines legte er Wert: "Die DDR-Wirtschaft stand zum Zeitpunkt der Maueröffnung vor dem Zusammenbruch. Vom großen Bruder UdSSR war nichts mehr zu erwarten."
 
Gehlers Fazit: "Insgesamt waren die Jahre 1989, 90 und 91 eine aufregende Zeit - aber bei allem, was man hätte auch anders machen können, meine ich - wir Deutschen haben dieses Zeitfenster bestmöglich genutzt." Außerdem sollte man nicht vergessen: "Alles was geschah, geschah unter den Augen der ganzen Welt. Von der friedlichen Revolution bis zur Wiedervereinigung."
 
Die Ehninger CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende Jutta Schießler, die zusammen mit Ehninger CDU-Mitgliedern die Begegnungsstätte für Jung an der Bühlallee herbstlich-festlich gestaltet und für eine exzellente Kuchentafel gesorgt hatte, steuerte ebenfalls ihre Eindrücke während der Zeit des Mauerfalls bei. Sie bettete außerdem die Ereignisse des Mauerfalls in eine geschichtliche Zeittafel. Gemeinderat Rainer Klein verlas eine Grußbotschaft des in Ungarn befindlichen Ehninger Bürgermeisters Claus Unger. Unger wies in dem Brief darauf hin, daß auch er selbst deutsch-deutsche Geschichte pur erlebt habe. Im übrigen bedaure er, in diesem Jahr erstmals nicht persönlich bei der Feierstunde anwesend sein zu können. Jutta Schießler und Rainer Klein übergaben zum Schluß der Feierstunde noch Geschenke an Matthias Gehler sowie die Aktiven des HHC Ehningen.
 
Der CDU-Landtagsabgeordnete Paul Nemeth sagte in einem prägnanten Grußwort, der "Tag der Deutschen" sei ein besonderer Feiertag. Deshalb gebe es allen Grund, mutig nach vorne zu blicken. Er rief ein Wort Helmut Kohls in Erinnerung, wonach die Einheit Deutschlands und die Einheit  Europas Seiten der gleichen Medaille seien. Dies griff der CDU-Kreisvorsitzende Wolfgang Heubach in seinem Schlußwort auf: "Die Geschichte hat uns mit der Einheit Deutschlands und dem zusammen­wachsenden Europa zwei großartige Geschenke gemacht. Verspielen wir sie nicht leichtfertig !" Insbesondere an die junge Generation - die Junge Union war stark vertreten - appellierte er, dieses Vermächtnis weiter zu tragen. "Im letzten und vorletzten Jahrhundert haben Deutschland und Frankreich in nur 70 Jahren drei Mal gegeneinander Krieg geführt. Jetzt leben wir seit über 65 Jahren im Frieden." Was Not, Krieg, Tod, Elend, Vertreibung und Verfolgung bedeuten, hat meine Generation und hat die Generation unserer Väter und Großväter erlebt." So etwas dürfe sich nie wiederholen.
 
Die Feierstunde zum 20. Jahrestag der Wiedervereinigung wurde vom HHC Ehningen musikalisch gestaltet und klang mit der gemeinsam gesungenen Nationalhymne aus. Begleitet wurde die Feierstunde durch historische Dokumentationen von Erhart Ehlert (Ehningen)  und Siegfried Hartenberger aus Nufringen.

Aufgewachsen in einem christlich-liberalen Elternhaus studierte Gehler  in der DDR Theologie, verweigerte den Wehrdienst mit der Waffe in der damaligen Nationalen Volksarmee und machte seine Ost-Berliner Wohnung zu einem illegalen Umschlagplatz für Bibeln nach Russland und in die baltischen Staaten. "Erwischt wurde von uns niemand", freut er sich noch heute und macht zugleich deutlich, daß er sich in jenen bewegten Jahren zwar als friedliebend jedoch keineswegs als Revolutionär sah.

Gehler, der heute MDR-Hörfunkchef ist und als Journalist arbeitet, schilderte autobiografisch spannend die Zeit vor und während des Mauerfalls sowie die Wochen und Monate danach. Wie der CDU-Kreisvorsitzende Wolfgang Heubach in seinem Schlußwort bemerkte, fühlten sich die Besucherinnen und Besucher in Ehningen an den "Pulsschlag der Zeit" zurückversetzt, vor allem weil Gehler als Regierungssprecher von de Maizière auch hautnahen Kontakt zur Weltpolitik hatte. Etwa zu den USA, "die uns sehr geholfen haben". Insbesondere der damalige Präsident Bush sen.  habe die Wiedervereinigung Deutschlands als historische Notwendigkeit angesehen. Aber von entscheidenden Begegnungen mit dem sowjetischen Präsidenten Gorbatschow und Ministerpräsidnet Ryschkov plauderte Matthias Gehler "aus dem Nähkästchen".

Gehler ging natürlich auch auf seine Stellvertreterin als Regierungssprecherin, die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel ein. Gebannt folgte das Publikum seinen Worten, als er die Umstände der Berufung Merkels schilderte. Diese habe sich zunächst Bedenkzeit erbeten und dann von London aus eine Zusage erteilt: Auf einem handgeschriebenen DIN-A-Blatt, dessen Kopie Gehler nach Ehningen mitgebracht hatte.

Ebenso spannend seine Schilderung, wie er persönlich den 9. November 1989 erlebt hat. Er sass an diesem Tag bei einer Veranstaltung im Französischen Dom, als zunächst eine vage Information über die Öffnung der Mauer die Runde machte. "Da ich es nicht glauben konnte, bin ich erst einmal in meine Wohnung nach Berlin-Friedrichshain zurück gefahren und ließ mich vom Fernsehen überzeugen", schilderte Gehler diese atemberaubenden historischen Stunden. Als er dann zu Fuß über die Grenze nach West-Berlin gegangen und auf der anderen Seite in einen bereit gestellten Bus eingestiegen sei, habe der Fahrer mit sprichwörtlich trockenem Berliner Witz gemeint: "Ick dachte, ihr kommt erst Weihnachten !"

Matthias Gehler machte in seiner bewegenden Rede deutlich, daß sich die damalige Allianz für Deutschland bei der ersten freien Volkskammerwahl nach dem Mauerfall unmißverständlich zur Wiedervereinigung bekannt habe. Die Allianz aus CDU, DA und DSU habe 47 Prozent der Stimmen erhalten. "Das heisst, das Volk hatte sich klar für die Wiedervereinigung entschieden", betonte Gehler. Und auf noch eines legte er Wert: "Die DDR-Wirtschaft stand zum Zeitpunkt der Maueröffnung vor dem Zusammenbruch. Vom großen Bruder UdSSR war nichts mehr zu erwarten."

Gehlers Fazit: "Insgesamt waren die Jahre 1989, 90 und 91 eine aufregende Zeit - aber bei allem, was man hätte auch anders machen können, meine ich - wir Deutschen haben dieses Zeitfenster bestmöglich genutzt." Außerdem sollte man nicht vergessen: "Alles was geschah, geschah unter den Augen der ganzen Welt. Von der friedlichen Revolution bis zur Wiedervereinigung."

Die Ehninger CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende Jutta Schießler, die zusammen mit Ehninger CDU-Mitgliedern die Begegnungsstätte für Jung an der Bühlallee herbstlich-festlich gestaltet und für eine exzellente Kuchentafel gesorgt hatte, steuerte ebenfalls ihre Eindrücke während der Zeit des Mauerfalls bei. Sie bettete außerdem die Ereignisse des Mauerfalls in eine geschichtliche Zeittafel. Gemeinderat Rainer Klein verlas eine Grußbotschaft des in Ungarn befindlichen Ehninger Bürgermeisters Claus Unger. Unger wies in dem Brief darauf hin, daß auch er selbst deutsch-deutsche Geschichte pur erlebt habe. Im übrigen bedaure er, in diesem Jahr erstmals nicht persönlich bei der Feierstunde anwesend sein zu können. Jutta Schießler und Rainer Klein übergaben zum Schluß der Feierstunde noch Geschenke an Matthias Gehler sowie die Aktiven des HHC Ehningen.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Paul Nemeth sagte in einem prägnanten Grußwort, der "Tag der Deutschen" sei ein besonderer Feiertag. Deshalb gebe es allen Grund, mutig nach vorne zu blicken. Er rief ein Wort Helmut Kohls in Erinnerung, wonach die Einheit Deutschlands und die Einheit  Europas Seiten der gleichen Medaille seien. Dies griff der CDU-Kreisvorsitzende Wolfgang Heubach in seinem Schlußwort auf: "Die Geschichte hat uns mit der Einheit Deutschlands und dem zusammenwachsenden Europa zwei großartige Geschenke gemacht. Verspielen wir sie nicht leichtfertig !" Insbesondere an die junge Generation - die Junge Union war stark vertreten - appellierte er, dieses Vermächtnis weiter zu tragen. "Im letzten und vorletzten Jahrhundert haben Deutschland und Frankreich in nur 70 Jahren drei Mal gegeneinander Krieg geführt. Jetzt leben wir seit über 65 Jahren im Frieden." Was Not, Krieg, Tod, Elend, Vertreibung und Verfolgung bedeuten, hat meine Generation und hat die Generation unserer Väter und Großväter erlebt." So etwas dürfe sich nie wiederholen.

Die Feierstunde zum 20. Jahrestag der Wiedervereinigung wurde vom HHC Ehningen musikalisch gestaltet und klang mit der gemeinsam gesungenen Nationalhymne aus. Begleitet wurde die Feierstunde durch historische Dokumentationen von Erhart Ehlert (Ehningen)  und Siegfried Hartenberger aus Nufringen.

Deutsche Geschichte mitgeschrieben: Zeitzeuge und früherer Regierungs­sprecher Matthias Gehler bei der Feierstunde in Ehningen.
 

 

Freuen sich über 20 Jahre deutsche Einheit (von links): der Bundestagsabgeordnete Clemens Binninger, die Landtagsabgeordnete Sabine Kurtz, Matthias Gehler, die Ehninger CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende Jutta Schießler, der Landtagsabgeordnete Paul Nemeth und der CDU-Kreisvorsitzende Wolfgang Heubach.

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