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18.10.2010 | Beitrag von Jürgen Bock

Pro Stuttgart 21 –
Reden geht auch ohne Tisch

Matthias Kauffmann am Rednerpult

Stuttgart - 5000 Menschen sind am Donnerstagabend für das Projekt Stuttgart 21 auf die Straße gegangen. Dass es Gespräche auch ganz unkompliziert ohne Runden Tisch geben kann, haben danach mehrere Hundert Gegner und Befürworter gezeigt. Sie trafen sich am Bauzaun vor dem Hauptbahnhof zur Diskussion.

Szenen spielen sich ab, die man sich in jüngster Zeit in Stuttgart kaum noch vorstellen konnte. Da stehen etwa 400 Menschen dicht an dicht und diskutieren kontrovers, aber meist sachlich. Zu etwa gleichen Teilen sind am Montagabend Befürworter und Gegner von Stuttgart 21 am Bauzaun vor dem ehemaligen Nordflügel des Hauptbahnhofs zusammengetroffen. Die Befürworter hängten einige Plakate auf - dort, wo noch Platz war. Nur vereinzelt kam es zu hitzigen Wortgefechten mit Gegnern, die "ihren" Bauzaun verteidigen wollten.

Angeregte und friedliche Diskussion zwischen S21-Gegnern und Befürwortern

Angeregte und friedliche Diskussion zwischen S21-Gegnern und Befürwortern

Die Idee zu der Diskussion auf der Straße hatte Matthias Kauffmann. "Ich habe mir die ganzen Plakate am Bauzaun angeschaut", sagt der Arzt aus Renningen. Dabei habe er sich gedacht: Es kann doch nicht sein, dass dort nur einseitig eine Meinung dargestellt wird. Viel wichtiger sei ihm aber, ins Gespräch zu kommen. "Wir sind an dem Punkt angelangt, wo Schlichtungsgespräche geführt werden sollen. Das darf in einer Demokratie aber nicht nur bei den Oberen passieren, sondern muss auch an der Basis sein", sagt Kauffmann. Die Initiative lud deshalb für Donnerstag Vertreter der Gegnerschaft an den Bauzaun ein.

"Wir sind Stuttgart"

Wichtig ist Kauffmann, dass alles konstruktiv abläuft: "Wir wollen keine Plakate überkleben oder abreißen und schon gar keine Handgreiflichkeiten." Mit dem Verlauf des Abends sei er sehr zufrieden: "Das war friedlich, sehr interessant und ich hoffe, viele haben etwas gelernt." Übers Internet hatte er die Idee vor einigen Tagen verbreitet - bis Donnerstag fanden sich allein auf der Facebook-Seite 120 Unterstützer in der Gruppe "Bauzaun für Stuttgart 21".

Stuttgart 21 Fans mit Hasen-Plakat "Für S21"

Diese engagierten Jugendlichen aus Böblingen demonstrierten mit einem eigenen Plakat für Stuttgart 21.

"Es gibt in Stuttgart eben auch eine starke Befürworterschaft, die bereit ist, auf die Straße zu gehen", so der Initiator.

Das zeigten zuvor mehr als 5000 Menschen, die sich zur wöchentlichen Kundgebung für Stuttgart 21 auf dem Marktplatz versammelten. Mit bunten Lichtern und lautstarken Sprechchören warben sie für das Projekt. "Wir sind Stuttgart" und "Weiterbauen" schallte es über den Platz, während im Rathaus die Projektgegner über Schlichtungsgespräche berieten.

"Es geht nicht um den Sturz einer Diktatur, sondern um den Bau eines Bahnhofs. Da zählen keine Behauptungen und Verdächtigungen, sondern Zahlen und Fakten", sagte Rainer Wieland MdEP (CDU), Vizepräsident des Europäischen Parlaments. Die Bürger hätten in 19 Wahlen über das Projekt abstimmen können. Jetzt müssten sie darauf vertrauen können, dass Beschlüsse umgesetzt werden.

Scharfe Worte fand Rainer Wieland für die Gegner. "Wir brauchen kein Berliner Personal, das mit dem Hubschrauber einfliegt und uns erklärt, wie Bahnfahren und Demokratie gehen", sagte er in Richtung des Grünen-Bundesvorsitzenden Cem Özdemir.
Auch dessen Partei war bei der Kundgebung vertreten. Neben Bürger-Abordnungen aus Heilbronn und Ulm war auch das Esslinger Grünen-Kreisvorstandsmitglied Stefan Faiß gekommen. "Ich bin überzeugt, dass Stuttgart 21 und die Neubaustrecke nach Ulm ökologische Projekte sind", sagte er unter großem Beifall.

Am 23. Oktober rufen die Befürworter zum ersten Mal samstags zu einer Großkundgebung auf dem Schlossplatz auf. Erwartet werden rund 10.000 Teilnehmer.

Mitglieder der CDU Renningen treffen sich um 14 Uhr am S-Bahnhof Renningen, um ebenfalls an der Großkundgebung teilzunehmen.

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